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Ahoj,

das nächste Arbeitskreistreffen findet am Donnerstag den 13. November 2014 im Bistro Aida (Ecke Fürstenberger-/Eschersheimerlandstraße) um 18 Uhr statt. Ab da an treffen wir uns alle zwei Wochen – selber Ort, selbe Zeit.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen vorbeizuschauen!

Ak kritische Psychologie Frankfurt

Ahoj,

im Sommersemester 2016 finden wieder zahlreiche vom AK kritische Psychologie organisierte autonome Tutorien sowie ein studentisch gewählter Lehrauftrag mit Markus Brunner statt.

Hier könnt ihr euch die Semesterbroschüre runterladen:

ATsommer16semesterbroschüre

Viel Spaß!

AKkP

Dear all,

der Ak kritische Psychologie Frankfurt und die Fachschaft Psychologie Frankfurt haben für dieses Wintersemester 15/16 wieder autonome Tutorien organisiert. Der Besuch steht allen Interessierten offen!

Die Tutorien beginnen ab nächster Woche und finden (so nicht anders bezeichnet) im Fachschaftsraum Psychologie PEG5.007 statt.

Solidarische Grüße,

AkkP

Broschüre WS15-16 AkkP

Montag: 10–12 Uhr: Politik der Komik 

Montag: 16–18 Uhr: Einführung in Klienten-­/Personzentrierte  Gesprächspsychotherapie 

Dienstag 16–18 Uhr: Jacques Lacan – eine Einführung  

Mittwoch 18–20 Uhr: Grundlagen der Psychoanalyse            

Mittwoch, 21.10, 18 Uhr, Vortreffen im KOZ:  Melancholie und Gesellschaft* 

Freitag 10–12 Uhr: Was ist kritisch an der Kritischen Psychologie Holzkamps? 

Warum erzählen wir Geschichten?*

Ahoj!

Das Veranstaltungsverzeichnis des AK kritische Psychologie für das Sommersemester 2015 ist da! Die autonomen Tutorien beginnen ab der zweiten Semesterwoche, schaut vorbei!

Solidarische Grüße,

AkkP

ATsommer15semesterbroschüre

Ahoj,

hier das Programm für das Wintersemester 2014-15.

Enjoy yourself,

AK kritische Psychologie Frankfurt

Semesterbroschüre WS14-15 AkkP

Ahoj,

die krass coole Aktionswoche an der Uni Frankfurt steht. Hier das vorläufige Programm.

Have fun!

 

Programm Aktionswoche 19.5.-23.5..

„Da sehen Sie, was die Wirklichkeit in meinem Lichte dazu sagt.“           

von Patrick Miller und Tom David Uhlig

 

Der lapidare Einwurf Sarrazins in der Debatte mit Jakob Augstein zeigt dessen unreflektierten Wahrheitsrelativismus, weist aber auch auf die Leerstelle der wissenschaftlichen Tradition hin, derer er sich bedient.

In Deutschland schafft sich ab, sowie in der öffentlichen Diskussion verweist Sarrazin häufig auf psychologische Studien um wahlweise seinen genetischen und kulturellen Rassismus zu untermauern. Diese Studien werden zwar von ihm einseitig rezipiert und oftmals mit pseudowissenschaftlichem Geschwätz aus der Tagespresse angereichert, entsprechen größtenteils jedoch dem akademischen Standard psychologischer Forschung. Was es ihm möglich macht, sich diese „Erkenntnisse“ zunutze zu machen, liegt an dem Selbstverständnis akademischer Psychologie, welches sich ungebrochen aus der Zeit von Schädelvermessungen und Völkerkunde tradiert.

Falsch ist die Empörung von PsychologInnen, welche ihre Arbeit im rechtspopulistischen Schlaglicht Sarrazins verzerrt glauben. Füllt dieser doch, angewiesen auf die normative Kraft des vermeintlich Faktischen, lediglich das von einer theoriefeindlichen Wissenschaft hinterlassene Deutungsvakuum. Aufgrund ihrer methodologischen und methodischen Borniertheit enthält die Psychologie sich jeder systematischen Interpretation ihrer sogenannten Forschungsergebnisse. Dem kritischen Rationalismus Poppers lose verbunden begnügen sich PsychologInnen damit, überzufällige Korrelationen als bedeutsam hervorzuheben. Eine inhaltliche Interpretation dieser Korrelationen ist mit dem methodischen Vokabular der Psychologie nicht zu leisten, weshalb psychologische Studien zumeist mit der phrasenhaften Ermahnung „correlation does not prove causation“ und der lakonischen Forderung nach „further research“ enden. Dennoch scheint das Aufzeigen vermeintlich objektiver Zusammenhänge dort zur Suche nach Kausalitäten zu verleiten, wo sich nach den immanenten Gütekriterien dieser Wissenschaft keine belegen lassen. Zum einen versuchen die ForscherInnen selbst Konstrukte zu finden, denen die Zusammenhänge zugrunde liegen könnten und zum anderen überlassen sie dies den RezipientInnen.

Die Suche nach Konstrukten, mit denen zu erklären wäre was sich im Zahlennimbus quantitativer Untersuchungen latent bereits als Erklärung geriert, folgt bar jeder methodischen Systematisierung den Neigungen und dem Vorwissen derjenigen, denen die Daten vorliegen. So finden common sense, Vorurteile und spekulativer Mystizismus wieder Eingang in die Humanwissenschaft, welche nach Devereux so gerne in der „geborgten Pracht exakter Wissenschaften herumstolziert“. Dies wird besonders augenfällig am Intelligenzquotienten, dem wohl populärsten psychologischen Konstrukt. Kritik am IQ wurde verschiedentlich ausformuliert und hat Anlass zu verschiedenen Modifikationen des Konzepts gegeben. So wurde etwa bald zwischen kristalliner und fluider Intelligenz unterschieden und um den Klassismus des traditionellen Konstrukts zu überwinden eine praktische Intelligenz postuliert, der später eine emotionale Intelligenz (Mayer) und neuerdings eine ökologische Intelligenz (Galeman) nebenan gestellt wurde. Dass all diese Modelle kommensurabel sind, verdankt die Psychologie ihrer Methodik, insbesondere der sogenannten Faktorenanalyse.

Die Faktorenanalyse beruht auf der Annahme, dass gemeinsamen Korrelationen zweier oder mehr Variablen ein Faktor zugrunde liegt, der sich nicht direkt messen lässt, auf den aber indirekt geschlossen werden kann. Derlei Faktoren können etwa Eigenschaften wie „Unsicherheit“, „soziale Erwünschtheit“ oder eben „Intelligenz“ sein. Es handelt sich um ein hochgradig spekulatives Verfahren, bei dem keine regelgeleitete Theoriebildung erfolgen kann. Wenn wir beispielsweise in der Kneipe sitzen und einer von uns dem anderen versehentlich Apfelwein über die Hose kippt, die letzte Zigarette stibitzt, und anschließend nicht einmal genug Geld zum Zahlen hat, dann kann es sein, dass der andere auf diese Unannehmlichkeiten ähnlich reagiert. Die Reaktion des Opfers könnte zum Beispiel mithilfe einer visuellen Analogskala quantifiziert werden, sodass wir möglicherweise bei genug Testdurchläufen mit unterschiedlichen Probanden eine überzufällige Korrelation der Variablen feststellen können. Nun ließe sich annehmen, dass diese Korrelation, diese ähnlichen Verhaltensweisen auf eine bestimmte charakterliche Disposition schließen lassen, die wir in psychologischer Manier etwa als „Frustrationstoleranz“ identifizieren könnten. Dabei drängt sich nun die vom positivistischen Wissenschaftsbetrieb der Psychologie geflissentlich ignorierte Frage auf, wie wir zu genau dieser Eigenschaft gekommen sind. Die abgründige Antwort, die darauf zu geben wäre, ist: es klingt eben plausibel.

Das Konstrukt „Intelligenz“ erfreut sich einer derart ungetrübten Popularität, sodass es als verdinglichte Eigenschaft kaum mehr infrage gestellt wird. Nun sind aber IQ-Tests nicht die einzigen Variablen, die mit „Intelligenz“ korrelieren, sondern ebenso erbgenetische und sozioökonomische Faktoren, sowie Ernährung, Schulabschluss, exekutive Funktionen, Erziehungsstil der Eltern, Körpergröße und der Zeitpunkt der ersten Menstruation. Sarrazins Argumentation baut auf der Prämisse, dass „Intelligenz“ mit IQ-Tests gemessen werden könne, und der Korrelation von Testergebnissen eineiiger Zwillinge auf. Letztere sei ihm zufolge, der „stärkste Gradmesser für die Erblichkeit von Intelligenz“ und lasse „eine Erblichkeitsannahme von 80 Prozent grundsätzlich für schlüssig erscheinen“. Dass sowohl getrennt, als auch nicht getrennt aufwachsende Zwillingen sehr ähnlichen sozialisatorischen Einflüssen ausgesetzt sind, ändert nichts an seiner Interpretation, dass Intelligenz – wie er unablässig wiederholt – zu 50-80 Prozent vererbt wird.

Abseits dieser in Anbetracht von Erkenntnissen über Neuroplastizität und Epigenetik völlig unhaltbar gewordenen, mechanistischen Vorstellung von Vererbung wäre auch hier der quasi-ontologische Status, den Sarrazin der „Intelligenz“ verleiht, zu kritisieren. Dass es sich bei „Intelligenz“ um eine Konstruktion handelt, reicht dabei freilich als Standpunkt der Kritik nicht aus, vielmehr ist nach der mangelnden regelgeleiteten Theoriebildung, die dem Konstrukt vorausgeht zu fragen. „Intelligenz“ ist als Bündel überzufälliger Korrelationen derart unterspezifiziert, dass es Sarrazin möglich wird, seine biologistischen oder kulturalistischen Deutungen daran vorzunehmen. Die Konsequenzen, die er daraus zieht sind zwar erschreckend, stehen jedoch in der eugenischen Tradition der Ahnherren psychologischer Intelligenzforschung Spearman, Galton, Cattel und anderer.

So glaubt Sarrazin etwa: „Die beste Schule macht ein dummes Kind nicht klug, und die schlechteste Schule macht ein kluges Kind nicht dumm.“ Weshalb er nicht „mehr Bildung für alle“, sondern „[m]ehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist“ fordert. Durch monetäre Anreize will er die Bildungselite dazu bringen, mehr Kinder zu bekommen: „Möglicherweise könnte hier ein fühlbarer Anreiz – quasi mit Fristsetzung – helfen. Es könnte beispielsweise bei abgeschlossenem Studium für jedes Kind, das vor Vollendung des 30. Lebensjahres der Mutter geboren wird, eine staatliche Prämie von 50.000 Euro ausgesetzt werden.“ Neben dieser „positiven“ eugenischen Forderung setzt sich Sarrazin auch für „negative“ eugenische Maßnahmen ein: er wünscht sich, dass „[d]ie Deutschen ziemlich rasch und recht radikal ihr Geburtenverhalten ändern, und das heißt, dass die Unterschicht weniger Kinder bekommt und die Mittel- und Oberschicht deutlich mehr als bisher.“ Damit die Unterschicht nicht durch „falsche Anreize“ dazu ermuntert werde, weiterhin so viele „dumme“ Kinder zur Welt zu bringen, will Sarrazin die Bedarfssätze für Kinder im System der Grundsicherung senken.

Es ist die Theoriefeindlichkeit der akademischen Psychologie, die diesen menschenverachtenden Unsinn möglich macht.