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„Da sehen Sie, was die Wirklichkeit in meinem Lichte dazu sagt.“           

von Patrick Miller und Tom David Uhlig

 

Der lapidare Einwurf Sarrazins in der Debatte mit Jakob Augstein zeigt dessen unreflektierten Wahrheitsrelativismus, weist aber auch auf die Leerstelle der wissenschaftlichen Tradition hin, derer er sich bedient.

In Deutschland schafft sich ab, sowie in der öffentlichen Diskussion verweist Sarrazin häufig auf psychologische Studien um wahlweise seinen genetischen und kulturellen Rassismus zu untermauern. Diese Studien werden zwar von ihm einseitig rezipiert und oftmals mit pseudowissenschaftlichem Geschwätz aus der Tagespresse angereichert, entsprechen größtenteils jedoch dem akademischen Standard psychologischer Forschung. Was es ihm möglich macht, sich diese „Erkenntnisse“ zunutze zu machen, liegt an dem Selbstverständnis akademischer Psychologie, welches sich ungebrochen aus der Zeit von Schädelvermessungen und Völkerkunde tradiert.

Falsch ist die Empörung von PsychologInnen, welche ihre Arbeit im rechtspopulistischen Schlaglicht Sarrazins verzerrt glauben. Füllt dieser doch, angewiesen auf die normative Kraft des vermeintlich Faktischen, lediglich das von einer theoriefeindlichen Wissenschaft hinterlassene Deutungsvakuum. Aufgrund ihrer methodologischen und methodischen Borniertheit enthält die Psychologie sich jeder systematischen Interpretation ihrer sogenannten Forschungsergebnisse. Dem kritischen Rationalismus Poppers lose verbunden begnügen sich PsychologInnen damit, überzufällige Korrelationen als bedeutsam hervorzuheben. Eine inhaltliche Interpretation dieser Korrelationen ist mit dem methodischen Vokabular der Psychologie nicht zu leisten, weshalb psychologische Studien zumeist mit der phrasenhaften Ermahnung „correlation does not prove causation“ und der lakonischen Forderung nach „further research“ enden. Dennoch scheint das Aufzeigen vermeintlich objektiver Zusammenhänge dort zur Suche nach Kausalitäten zu verleiten, wo sich nach den immanenten Gütekriterien dieser Wissenschaft keine belegen lassen. Zum einen versuchen die ForscherInnen selbst Konstrukte zu finden, denen die Zusammenhänge zugrunde liegen könnten und zum anderen überlassen sie dies den RezipientInnen.

Die Suche nach Konstrukten, mit denen zu erklären wäre was sich im Zahlennimbus quantitativer Untersuchungen latent bereits als Erklärung geriert, folgt bar jeder methodischen Systematisierung den Neigungen und dem Vorwissen derjenigen, denen die Daten vorliegen. So finden common sense, Vorurteile und spekulativer Mystizismus wieder Eingang in die Humanwissenschaft, welche nach Devereux so gerne in der „geborgten Pracht exakter Wissenschaften herumstolziert“. Dies wird besonders augenfällig am Intelligenzquotienten, dem wohl populärsten psychologischen Konstrukt. Kritik am IQ wurde verschiedentlich ausformuliert und hat Anlass zu verschiedenen Modifikationen des Konzepts gegeben. So wurde etwa bald zwischen kristalliner und fluider Intelligenz unterschieden und um den Klassismus des traditionellen Konstrukts zu überwinden eine praktische Intelligenz postuliert, der später eine emotionale Intelligenz (Mayer) und neuerdings eine ökologische Intelligenz (Galeman) nebenan gestellt wurde. Dass all diese Modelle kommensurabel sind, verdankt die Psychologie ihrer Methodik, insbesondere der sogenannten Faktorenanalyse.

Die Faktorenanalyse beruht auf der Annahme, dass gemeinsamen Korrelationen zweier oder mehr Variablen ein Faktor zugrunde liegt, der sich nicht direkt messen lässt, auf den aber indirekt geschlossen werden kann. Derlei Faktoren können etwa Eigenschaften wie „Unsicherheit“, „soziale Erwünschtheit“ oder eben „Intelligenz“ sein. Es handelt sich um ein hochgradig spekulatives Verfahren, bei dem keine regelgeleitete Theoriebildung erfolgen kann. Wenn wir beispielsweise in der Kneipe sitzen und einer von uns dem anderen versehentlich Apfelwein über die Hose kippt, die letzte Zigarette stibitzt, und anschließend nicht einmal genug Geld zum Zahlen hat, dann kann es sein, dass der andere auf diese Unannehmlichkeiten ähnlich reagiert. Die Reaktion des Opfers könnte zum Beispiel mithilfe einer visuellen Analogskala quantifiziert werden, sodass wir möglicherweise bei genug Testdurchläufen mit unterschiedlichen Probanden eine überzufällige Korrelation der Variablen feststellen können. Nun ließe sich annehmen, dass diese Korrelation, diese ähnlichen Verhaltensweisen auf eine bestimmte charakterliche Disposition schließen lassen, die wir in psychologischer Manier etwa als „Frustrationstoleranz“ identifizieren könnten. Dabei drängt sich nun die vom positivistischen Wissenschaftsbetrieb der Psychologie geflissentlich ignorierte Frage auf, wie wir zu genau dieser Eigenschaft gekommen sind. Die abgründige Antwort, die darauf zu geben wäre, ist: es klingt eben plausibel.

Das Konstrukt „Intelligenz“ erfreut sich einer derart ungetrübten Popularität, sodass es als verdinglichte Eigenschaft kaum mehr infrage gestellt wird. Nun sind aber IQ-Tests nicht die einzigen Variablen, die mit „Intelligenz“ korrelieren, sondern ebenso erbgenetische und sozioökonomische Faktoren, sowie Ernährung, Schulabschluss, exekutive Funktionen, Erziehungsstil der Eltern, Körpergröße und der Zeitpunkt der ersten Menstruation. Sarrazins Argumentation baut auf der Prämisse, dass „Intelligenz“ mit IQ-Tests gemessen werden könne, und der Korrelation von Testergebnissen eineiiger Zwillinge auf. Letztere sei ihm zufolge, der „stärkste Gradmesser für die Erblichkeit von Intelligenz“ und lasse „eine Erblichkeitsannahme von 80 Prozent grundsätzlich für schlüssig erscheinen“. Dass sowohl getrennt, als auch nicht getrennt aufwachsende Zwillingen sehr ähnlichen sozialisatorischen Einflüssen ausgesetzt sind, ändert nichts an seiner Interpretation, dass Intelligenz – wie er unablässig wiederholt – zu 50-80 Prozent vererbt wird.

Abseits dieser in Anbetracht von Erkenntnissen über Neuroplastizität und Epigenetik völlig unhaltbar gewordenen, mechanistischen Vorstellung von Vererbung wäre auch hier der quasi-ontologische Status, den Sarrazin der „Intelligenz“ verleiht, zu kritisieren. Dass es sich bei „Intelligenz“ um eine Konstruktion handelt, reicht dabei freilich als Standpunkt der Kritik nicht aus, vielmehr ist nach der mangelnden regelgeleiteten Theoriebildung, die dem Konstrukt vorausgeht zu fragen. „Intelligenz“ ist als Bündel überzufälliger Korrelationen derart unterspezifiziert, dass es Sarrazin möglich wird, seine biologistischen oder kulturalistischen Deutungen daran vorzunehmen. Die Konsequenzen, die er daraus zieht sind zwar erschreckend, stehen jedoch in der eugenischen Tradition der Ahnherren psychologischer Intelligenzforschung Spearman, Galton, Cattel und anderer.

So glaubt Sarrazin etwa: „Die beste Schule macht ein dummes Kind nicht klug, und die schlechteste Schule macht ein kluges Kind nicht dumm.“ Weshalb er nicht „mehr Bildung für alle“, sondern „[m]ehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist“ fordert. Durch monetäre Anreize will er die Bildungselite dazu bringen, mehr Kinder zu bekommen: „Möglicherweise könnte hier ein fühlbarer Anreiz – quasi mit Fristsetzung – helfen. Es könnte beispielsweise bei abgeschlossenem Studium für jedes Kind, das vor Vollendung des 30. Lebensjahres der Mutter geboren wird, eine staatliche Prämie von 50.000 Euro ausgesetzt werden.“ Neben dieser „positiven“ eugenischen Forderung setzt sich Sarrazin auch für „negative“ eugenische Maßnahmen ein: er wünscht sich, dass „[d]ie Deutschen ziemlich rasch und recht radikal ihr Geburtenverhalten ändern, und das heißt, dass die Unterschicht weniger Kinder bekommt und die Mittel- und Oberschicht deutlich mehr als bisher.“ Damit die Unterschicht nicht durch „falsche Anreize“ dazu ermuntert werde, weiterhin so viele „dumme“ Kinder zur Welt zu bringen, will Sarrazin die Bedarfssätze für Kinder im System der Grundsicherung senken.

Es ist die Theoriefeindlichkeit der akademischen Psychologie, die diesen menschenverachtenden Unsinn möglich macht.

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Ahoj,

die autonomen Tutorien und studentischen Lehraufträge für das Sommersemester 2014 stehen stabil!

Die Tutorien beginnen ab der zweiten Semesterwoche und finden in PEG 5.007 statt.

Hier könnt ihr euch die aktuelle Semesterbroschüre reinziehen, Viel Spaß!

AKkP Sommersemester 2014

Solidarische Grüße

AK

Ahoj,

dieses Wintersemester gibt es wieder zwei studentische Lehraufträge!

Dafür haben wir zwei interessante Referent_innen aus London und Berlin eingeladen. Wir werden uns mit Derek Hook einer psychoanalytischen Sozialpsychologie zu nähern, die auf den Arbeiten von Foucault und Lacan basiert, und uns mit Christine Kirchhoff einen Einblick in die Schnittstelle von klinischer und kulturwissenschaftlicher Psychoanalyse am Beispiel des Traums erarbeiten. Schaut euch die Seminarpläne an – es lohnt sich!

Und weiterhin gilt: Für Studierende der Psychologie sind  diese Seminare für das Studium anrechenbar.

Um die Literatur zu bekommen schickt eine Email an akkritpsychffm@googlemail.com

Nutzt die Gelegenheit! Für ein selbstbestimmtes Studium!

AK kritische Psychologie // Frankfurt

 

 

„Between Lacan and Foucault: Critical Perspectives on Psychic Life and Power“
mit Prof. Dr. Derek Hook
(Anrechenbar als PsyBSc 6 – Vertiefung Sozialpsychologie)
31.01. 12 – 18 Uhr (5G202)
01. – 03.02. 10 – 18 Uhr (5G202)

This course focusses on the critical perspectives on the psychological and social condition enabled through an engagement with the work of Michel Foucault and Jacques Lacan. Although the work of these two theorists is often considered antithetical, there are a series of fascinating convergences between their respective ‘post-structural’ and psychoanalytic theorizations that prove enabling of innovative forms of social critique. Moreover, a benefit of engaging both theorists simultaneously is the ‘cross-over’ effect of thinking Lacan as a theorist of power and Foucault as a theorist of the psychological.

Hook Seminarplan

 

 

Der „Nabel des Traums“ – Klinik und Kultur in der Psychoanalyse
mit Prof. Dr. Christine Kirchhoff
(Anrechenbar als PsyMSc 3B – Klinische Psychologie)
24./25.01. & 07./08.02. 10 – 18 Uhr (5G202)

In der „Traumdeutung“ stellte Freud fest, dass kein Traum je komplett auszudeuten sei, da er über einen „Nabel“ verfüge, durch den er „mit dem Unerkannten zusammenhängt“, bzw. an dem er „dem Unerkannten aufsitzt“. Ausgehend von der Theorie und Technik der Traumdeutung bei Freud soll die Bedeutung des „Nabel des Traums“ als Element der „Bildersprache“ der Psychoanalyse untersucht werden. Anschließend daran soll es anhand von Lektüren dieses Bildes (Jacques Derrida, Samuel Weber, Laurence Bataille, Elisabeth Bronfen u. a.) um die Stellung der Psychoanalyse zwischen Klinik und Kultur gehen. Das Seminar soll ausgehend vom Klinischen die subjekt- und kulturtheoretischen Implikationen der Psychoanalyse als Grenzdisziplin vermitteln.

Kirchhoff Seminarplan

 

 

DIE BLOCKSEMINARE SIND FÜR ALLE INTERESSIERTEN OFFEN

Materialien und Kursübersicht sind im OLAT zu finden
weitere Informationen: akkritpsychffm@googlemail.de

Plakat Lehrveranstaltungen WS 1314

Michel Foucault

Ahoj,

 

am kommenden Montag den 4. November 2013 um 18:15 findet im KoZ (Studierendenhaus, Campus Bockenheim) die Auftaktveranstaltung der transdisziplinären Veranstaltungsreihe „Elemente des Antisemitismus“ statt, organisiert von der association réplique critique zusammen mit dem AStA Frankfurt und in Kooperation mit dem Sigmund Freud Institut.

 

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen zu kommen, das weitere Programm findet sich im Anhang.

 

Herzliche Grüße

 

arc

 

Genese des modernen Antisemitismus

 

Feindschaft gegenüber Juden hat eine lange Tradition, die man bis in die Antike zurückverfolgen kann, wobei das Phänomen stets von verschiedenen politisch-gesellschaftlichen, religiösen, wirtschaftlichen, psychologischen und kommunikativen Aspekten beeinflusst wurde. Neben sozialer Ausgrenzung und körperlicher Gewalt spielt auch stets eine stigmatisierende und diskriminierende Sprache eine zentrale Rolle bei der Abwertung und Ausgrenzung von Juden. Dieser Vortrag soll anhand authentischer Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart die Charakteristika antisemitischen Sprachgebrauchs sowie der zugrunde liegenden Denk- und Gefühlswerte erörtern.

 

Vortrag und Diskussion mit Matthias Jakob Becker

4.11.13//18:15 Uhr//KoZ Studierendenhaus Uni Frankfurt

 

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Ahoj,

anbei der vom AK mitunterzeichnete offene Brief an den Dekan des Fachbereichs 05.

Big love TuCa ❤

 

Sehr geehrter Dekan des Fachbereichs 05,

ebenso wie Sie erfuhren wir am letzten Donnertag – selbst verwundert – von der Umgestaltung der Teeküche im ersten Stockwerk des PEG-Gebäudes. Herr Fester und Frau Brühl setzten uns in einer nicht sehr freundlichen Art davon in Kenntnis. Doch noch mehr verwunderte uns Ihr Brief an uns, an die Fachschaften der im PEG ansässigen Fachbereiche. Daher haben wir einige Anmerkungen und Fragen an Sie:

1. Zur Sachlage: Bei der von Ihnen als „Bemalung“ bezeichneten Veränderung der seit einem Semester mehr oder weniger besetzten Teeküche, handelt es sich, soweit wir es gesehen haben, um eine vollständige Umstreichung der Wände des offenen Raumes von weiß in rot mit einem Streifen als Designelement. Decke, Einbauküche etc. sind so wie vorher.

2. Vandalen: Ihre Wortwahl der „Bemalung“ ist hierbei schon bezeichnend für den Diskurs, der seit Jahren auf dem neuen Campus herrscht. Jegliche „eigenmächtige“ Veränderung wird sofort und undifferenziert als Vandalismus diskreditiert, egal, ob es sich um Aufkleber, Tags, Wandbilder, eingeschmissene Scheiben, aufgestellte Sofas oder wie in diesem Fall um die Streichung eines Raumes handelt.

3. Die Unwirklichkeit unseres Campus: Der gesamte neue Campus ist eine Wiederholung des Immergleichen. Wie ein Labyrinth gestaltet er sich von den scheinbar endlosen Fluren des IG-Farben Hauses bis hin zu der Unübersichtlichkeit des PEG-Inneren. Nirgendwo gibt es einen Moment an dem der Blick hängen bleiben kann. Nur die Namen und Nummern auf den gleichen Schildern bieten Orientierung. Nichts darf vom Standard abweichen, weder die Form noch die Inhalte?

4. Psychologie des roten Raumes? Sie bezeichnen das PEG als angenehm und sauber, gut für die Arbeit. Warum ist ein rot gestrichener Raum nicht sauber? Warum arbeiten Menschen an einer Universität mit einem rot gestrichenen Raum nicht besser? Woher nehmen Sie als Sozialpsychologe diesen Nachweis und wie haben Sie die Meinung zu einer roten Teeküche unter den Mitarbeiter*innen des Gebäudes erhoben?

5. Falsch: …ist Ihre Beobachtung des gemeinsamen „ganz hervorragend funktionierenden“ studentischen Cafés. Dieser ebenfalls im ersten Stockwerk gelegene Raum hat, nach einer durch die Kommunikationslosigkeit der Unileitung stetig hinausgezögerten Verhandlung, welche schon vor dem Einzug ins PEG vor einem Semester begonnen hatte, nämlich erst seit dieser Woche geöffnet. Zusätzlich muss hinzugefügt werden (was Sie wüssten, wenn Sie an den Verhandlungen teilgenommen hätten), dass es sich bei diesem Ort, der ursprünglich unter dem Titel „FS-Café“ lief, wegen der Verzögerung und der ganzen gemachten Auflagen nun nur noch um einen offenen Arbeit- und Aufenthaltsraum ohne Caféebetrieb handelt. Im Gegensatz dazu hat die bemängelte nun rote Teeküche bereits hervorragend ein Semester lang Studierende und Mitarbeiter*innen mit günstigem Kaffeeversorgt und einen Raum zum Treffen oder Lernen geboten.

6. 1,5 bis 2 Tutorien: Wenn Sie für das Umstreichen von ca. 20qm Wand eine Berechnung von 2000Euro anstellen, sollten Sie Ihren Malerservice wechseln. Wenn Ihnen 2000Euro als Dekan einer Universität mit einem Jahresbudget von 300.000.000 Euro für die (sinnlose) Weißung eines Raumes so zur Last gehen, sollten sie vielleicht mal eher Ihren Blick auf die interne Mittelverteilung richten.

7. Menschlicher Umgang: An einer präsidial geführten Universität, an der Fachbereiche, Studierendenvertretung und Protestierende ständig vor vollendete Tatsachen gestellt oder demokratische Entscheidungen ausgehebelt werden, bis hin dazu, dass man dialoglos mit der Polizei grob vom Campus entfernt wird, ist eine „eigenmächtige Aktion“ wie das Streichen eines Raumes ein durchaus menschlicher Umgang.

8. Mein Raum, dein Raum: Ihr Argument des Vergleiches von privatem Raum und halböffentlichem Universitätsraum ist unzulänglich. Ersterer wird von Einzelpersonen oder Kleingruppen genutzt und gestaltet. Beim Zweiten wird er von der Institution vorgegeben, wobei die größte Statusgruppe innerhalb der Institution Universität am wenigsten über Funktion und Aussehen mitbestimmen kann. Es kam auch bis jetzt niemand auf die Idee auf die, von den Studierendenvertretungen bereits erbrachten, Kritiken zum Umzug und Studiensituation einzugehen, solange diese sich nicht in Aktionen oder Presseartikeln manifestierten.

9. Who is Who: Es ist ja nett, dass Sie sich mit den Fachschaften zusammensetzen wollen, allerdings sind diese die falschen Ansprechpartner_innen. Die Besetzung der nun roten Teeküche ist eine Folgeinitiative, die sich nach dem rüden Ausschluss des TuCas aus den Verhandlungen (in der den Studierenden Räume abgezwungen und mit Nazivergleichen begegnet wurde – so viel nochmal zum menschlichen Umgang) um einen Caféraum gebildet hat. Diese Initiative ist weder eine der Fachschaften, noch ist sie mit dem alten TuCa deckungsgleich. Die Fachschaften haben also keinen Einfluss auf diese Gruppe, noch werden wir eine Kontrollfunktion über andere Initiativen ausüben.

Vielmehr haben wir Fachschaftler*innen in dieser Woche die Orientierungsveranstaltungen veranstaltet. Wir arbeiten darüber hinaus ehrenamtlich und mit hohem unbezahlten Zeitaufwand an Projekten für Studierende und engagieren uns in vielen Kommissionen und Gremien. Wir sind irritiert, dass sich immer nur an uns gewandt wird, wenn etwas vorfällt.

Mit Grüßen

Fachschaft Gesellschaftswissenschaften

Fachschaft Erziehungswissenschaften

Arbeitskreis kritische Psychologie

Forum Humangeographie

Die gestrichene Teeküche

 Foto Kopie

Ahoj!

die autonomen Tutorien im Wintersemester 13_14 stehen stabil!

Insgesamt gibt es acht Veranstaltungen von ungleich viel mehr Referent_innen rund um Psychoanalyse, Sprachkritik, Feminismus und Kulturforschung. Schaut vorbei!

❤ AK

Hier das Programm zum Download:

Semesterbroschüre WS13_14 AkkP

Übersicht:

Montag
16 bis 18 Uhr: Kulturanalytische Studien

Dienstag
16 bis 18 Uhr: Sprache_Diskriminierung & -Ismen – Eine Sprachkritik (findet im Studierendenhaus, B102 statt)

18 bis 20 Uhr: Religion und Psychoanalyse – Eine Kontroverse

20 bis 22 Uhr: Lacan und die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse

Mittwoch

18 bis 20 Uhr: Eva Illouz – Die Errettung der modernen Seele

20 bis 22 Uhr: Wahnsinnige Neuzeit, Geisteskranke Moderne

Donnerstag

14 bis 16 Uhr: Die Fallstudien Freuds

18 bis 20 Uhr: Grundbegriffe der Psychoanalyse

Böll Adorno Unseld

Offener Brief kritischer Studierender an der Universität Frankfurt zu der Einführungswoche der Wirtschaftswissenschaften

An das Präsidium der Universität Frankfurt,

an das Dekanat des Fachbereichs 02 Wirtschaftswissenschaften

und die Fachschaft

Vom 23. bis 25. September hat die Einführungswoche des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften, kurz E!-Woche, an der Universität Frankfurt stattgefunden. Mit Befremdung und Beunruhigung mussten wir feststellen, auf welche Weise die Studierenden an ihren neuen Lebensabschnitt herangeführt werden sollen. Zu beobachten war, neben nach einem militärischen Drill klingendem Grölen auf dem Vorplatz des Hörsaalzentrums auf dem IG Farben-Campus im Westend, ein Szenario, welches jedem modernen und aufgeklärtem Verständnis von Gruppendynamik und Sozialität zuwiderläuft.

Junge Erwachsene, die an ihren ersten Tagen an der Uni, angeleitet durch Mentor_innen, an Gruppenspielen teilnehmen sollen, wie beispielsweise einer vielleicht im ersten Moment harmlos klingenden Gruppenmassage, die von den Schultern über die Ohrläppchen bis zur Hüfte der_des jeweils Vorderen wanderte, bis hin zu einem gleichzeitigen setzen aller Beteiligten auf den Schoß der hinteren Person in einem riesigen Kreis, an dem sich der Schätzung nach 300 Menschen beteiligten. Einem Augenzeugenbericht zufolge klang das so: “Richtigen Kreis machen! Babys können das! Ihr seid ja keine Babys mehr? Hey du Jeans, rück‘ mal weiter rechts, damit der Kreis steht! So, gut gemacht!”

Ein Video der E!-Woche im vergangenen Wintersemester 12/13 (s. Anhang) zeigt ähnliche Bilder. Hier werden männerbündische Initiationsrituale, wie das gegenseitige Schlagen auf die Fäuste, Wetttrinken, Spießrutenläufe bei denen den Teilnehmer_innen auf den Hintern geklatscht wird und sonstige entwürdigende „Kraftproben“ als Einführung ins Studium verkauft und zelebriert. Durchzogen ist das Video von Parolen wie „Sei dabei! Lern zum Orgasmus zu kommen.“ und Marschmusik. Am Ende des Videos ist der Schriftzug „Willkommen auf [sic] der Goethe Uni“ zu lesen. Das Verhalten, welches hier durch höhere Semester angeordnet wird, kündet von offenem Sexismus und Sozialchauvinismus. Die Studienbeginner_innen können sich dem Gruppenzwang kaum dezent entziehen, wollen sie nicht negativ oder abweichend auffallen. Uns scheint als sollen hier Orientierung suchende Studierende frühzeitig auf den Gehorsam eingeschworen werden, der von ihnen, gerade unter Berücksichtigung des Studiengangs Wirtschaftswissenschaften, von Beginn an verinnerlicht werden soll.

Zu den Hintergründen des Mentor_innen-Programms des SSIX ( Student Services for International Exchange) ist zu sagen, dass dieses von den privatwirtschaftlichen Unternehmen Deutsche Bank und PriceWaterhouseCooper finanziert wird. An einem Schulungswochenende werden den Mentor_innen scheinbar jene Praktiken gelehrt, welche uns nicht nur irritieren, sondern anwidern. Den Mentor_innen wird an diesem Schulungswochenende geraten, diejenigen, die sich in der E!-Woche nicht motivieren lassen mitzumachen öffentlich als „Langweiler“ bloßzustellen. Wir fragen uns, mit welcher Zielsetzung dieses „Mentor_innenprogramm“ und im besonderen die E!-Woche konzipiert wurde. Ebenfalls fragen wir uns, ob weitere Einführungswochen im Studiengang Wirtschaftswissenschaften an anderen Hochschulen durch die Deutsche Bank und PriceWaterhouseCooper mit ähnlichen Kozeptionierungen finanziert werden. Auf der Homepage des Fachbereichs finden wir weitere Informationen zur E!-Woche. Die Darstellung postuliert mehrfach, dass sich die Mentor_innen in studentischem Engagement beweisen würden und lädt auch dazu ein sich selbst zu engagieren. Wir fragen uns, sieht so das studentische Engagement der Zukunft aus? Weiter wird in einem Imagefilm zur E!-Woche mit den Worten „…komm auch du zur E!-Woche und erlebe den Start in Dein Studium hautnah“ zu dieser eingeladen. Zynischer kann man es kaum formulieren.

Die Hochschulleitung, selbst schnell zur Stelle, wenn es darum geht kritisches, abweichendes Verhalten an der Uni zu unterbinden, selbst wenn es sich bloß um Sticker auf dem vielbeschworenen „schönsten Campus Europas“ handelt, scheint das hier dargebotene Verhalten nicht bloß zu tolerieren, sondern auch noch zu fördern.

Wir möchten nicht, dass Erstsemester die Uni als einen Ort kennenlernen an dem Drill und Sexismus zum guten Ton gehören und fragen uns nicht zuletzt, ob das dann der gewünschte Normalzustand ist.

Links:
Imagefilm zur E!-Woche: http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/de/mein-wiwi-studium/ssix-student-services-international-exchange/erstsemester-infos/bachelor/imagefilm-ewoche.html

Youtube-Video zur E!-Woche im letzten Wintersemester 2012/13:http://www.youtube.com/watch?v=x1ffdR-KyHk

Frankfurt am Main, den 30.09.2013

Unterzeichner_innen:

AK Kritische Psychologie

Fachschaft 04 Erziehungswissenschaften

arbeitskreis kritischer jurist_innen frankfurt am main

Grüne Hochschulgruppe

Demokratische Linke Liste

Gemeinsame Liste Medizin

assoziation : aufheben